Der Bauernhof im Jahreskreis

"Das Vieh füttern und melken und im Sommer das Heu einbringen", das ist für viele Menschen die Arbeit des Bauern im Jahreskreis.

Leider vergessen wir nur allzu gerne, welche wichtigen Funktionen der Bauer erfüllt, nämlich die des Lebensmittelproduzenten, Landschaftspfleger, Generhalter ....
Als Anerkennung hiefür stellen wir die Bauern an den Rand unserer Gesellschaft und denken nicht darüber nach, welche Arbeiten eigentlich notwendig sind um einen Bauernhof zu bewirtschaften. Hiezu ein kleiner Denkanstoß:

Frühjahr:

Um eine ausreichende und gute Futterernte im Sommer zu erzielen, sind einige Vorbereitungen auf den Wiesen notwendig. Der Wirtschaftsdünger (Stallmist, Gülle, Jauche) muß ausgebracht werden. Mit einem Grünlandstriegel wird das Feld eingeebnet, event. durch Trittschäden verursachte Kahlstellen werden eingesät, Zäune repariert; meistens hat ein Bauernhof noch einen kleinen Gemüseacker dabei. Dieser muß im Frühjahr umgebrochen (gepflügt), eingeebnet und wieder bestellt werden. Kartoffeln müssen gepflanzt, verschiedene Gemüsekulturen ausgesät und gepflegt werden. Im Obstgarten beginnen die Bäume und Beerensträucher wieder auszutreiben - höchste Zeit für den Regulierungsschnitt. Über den Winter, durch das Wild entstandene Schäden an Rinde und Ästen müssen "verarztet" werden. Die über den Winter liebevoll aufgezogenen Balkonblumen werden nun in Kistchen gepflanzt und auf den Balkon gestellt. Im Blumengarten rund ums Haus hat man natürlich auch jede Menge Arbeit mit Reisig wegräumen, düngen, bepflanzen, jäten..
Um die Rinder im späten Frühjahr auf die Alm treiben zu können, müssen Zäune überprüft und ggf. repariert werden, Unterstände und Tränken müssen ebenfalls kontrolliert werden. Die Kräuter für Tees und Salben müssen zeitig im Frühjahr gesammelt werden, da sonst Dünger oder Überständigkeit die Wirkung beeinträchtigen bzw. die Kräuter unbrauchbar machen.
Die wärmeren Sonnenstrahlen wecken auch die Bienen wieder aus ihrer Winterruhe. Das Futter vom Winter wird entfernt, neue Rahmen mi perforierten Wachswaben werden angebracht und event. verendete Bienenvölker entfernt (Schädlinge).

 

Sommer:

Beim Ähren-Rispenschieben der Gräser (meist Mitte - Ende Mai) beginnt die Mahd. Der erste Schnitt, das Heu wird eingebracht. Um eine gute Qualität des Heus zu gewährleisten, muß man optimale Schnitt- und Trocknungsbedingungen haben. Schonende Aufbereitung mit Kreiselzetter und Schwader sind hier ebenfalls essentiell. Nachdem alles Heu eingebracht wurde, wird auf den Feldern Gülle ausgebracht, um den nachwachsenden Gräsern eine "Starthilfe" zu geben.
Ende Juni, Anfang Juli ist es Zeit für den
zweiten Schnitt - das Grummet. Hier gelten die gleichen Bedingungen und Voraussetzungen wie für den ersten Schnitt. Auch jetzt wird wieder Gülle auf die gemähten Felder ausgebracht.
Bohnen, Erbsen und anderes Gemüse sind inzwischen gereift, zu ernten und zu verarbeiten.
Auch die
Bienen waren schon fleißig und die mit Honig vollgefüllten Waben sind zu schleudern. Bis zu 25 kg Honig kann ein Bienenvolk über den Sommer sammeln!!
Auf den gedüngten Flächen ist ein dritter Schnitt möglich. Mitte bis Ende August ist es soweit. Im Herbst geht die Vegetationsperiode ihrem Ende zu, daher benötigt das Gras jetzt länger zum Wachsen und auch zum Trocknen; die Bedingungen für die Heuwerbung haben sich im Vergleich zum ersten Schnitt schon ziemlich verschlechtert.
Anfang bis Mitte September wird das
Vieh von den Almen geholt. Um trockenes Rauhfutter (Heu, Grummet, Silage) zu sparen , wird das Vieh tagsüber auf den Heimflächen geweidet und nur abends eingestallt.

 

Herbst:

Was fällt einem beim Wort "Herbst" als erstes ein? Natürlich die reifen Früchte, wie Obst und Gemüse. Am Gemüseacker werden jetzt die Früchte der Pflege und Sorgfalt währen des Sommers deutlich. Von den Karotten bis Kraut, Kartoffeln, Broccoli, ... eine reiche Ernte mit vielen Verarbeitungsmöglichkeiten. Das Obst, überwiegend Äpfel, Birnen und Zwetschken , wird aufgesammelt und eingemaischt. Ab Oktober kann es schon schneien, daher wird im Herbst noch fleißig der Brennholzvorrat für den Winter aufgefüllt. Bevor der Boden gefriert, wir noch einmal Festmist auf die Felder aufgebracht. Dieser Stickstoff wird über den Winter im Boden von den Pflanzenwurzeln gebunden und steht den Pflanzen im Frühjahr wieder zur Verfügung.
Die
Bienen werden jetzt auch eingewintert - d.h. über den Winter werden sie mit Zuckerwasser gefüttert. Da man den eigentlichen Vorrat der Bienen für den Winter (Honig) aus den Waben herausschleudert, ist diese Maßnahme notwendig, ansonsten würden sie im Winter verhungern.
Um den Kühen eine weiche Liegefläche gewährleisten zu können, muß ein Grünlandbetrieb Stroh aus dem Ackerbaugebiet zukaufen. Dieses Stroh muß zu Hause geschnitten und in einem passenden Raum eingelagert werden.

Winter:

Das eingemaischte Obst hat die stürmische Gärungszeit schon hinter sich und jetzt kann Schnaps gebrannt werden. Hier muß mit äußerster Sorgfalt gearbeitet werden um eine gute Qualität zu erreichen (den Hausschnaps gibts dann im Sommer für die Gäste).
Da jetzt alle Tiere im Stall gehalten werden und nur mehr zwei - dreimal / Woche für ein paar Stunden ins Freie kommen, fällt im Stall sehr viel Arbeit an. Im Oktober
kalben die meisten Kühe ab und so muß man die Fütterung auf die Tierart und das entsprechende Entwicklungsstadium individuell abstimmen.
Der Winter ist auch die Zeit für
Weiterbildungsseminare und Verbesserungsarbeiten in Haus und Stall.
Die
Schweine, welche ca. 6 Monate bis zur Schlachtreife gehalten werden, sind im Feber dann schlachtreif. Die Verarbeitung ist sehr zeit- und arbeitsintensiv, dafür kann man auf eigene Produkte zurückgreifen.
So schließt sich der Jahreskreislauf wieder und die Arbeiten beginnen von vorne. Um die Existenz eines Bergbauernhofes auch noch in Zukunft sichern zu können, müssen die Bauersleute über ein fundiertes Fachwissen verfügen. Nachhaltige Bewirtschaftung und kontinuierliche Bereitstellung der Nahrungsmittel müssen vom Bauern gewährleistet werden.